URBAN GARDENING

der beste Start für gesunde Setzlinge

Tipps & Tricks
1. Saatgut

Eine riesige Auswahl an Saatgut gibt es in jedem Gartencenter oder Baufachmarkt. Fortgeschrittene Gärtner sammeln gerne Samen von ihren eigenen Früchten. ACHTUNG: Bei Samen von Obst und Gemüse aus dem Supermarkt, da kann es durchaus vorkommen dass die Früchte aus Hybrid-Samen gezogen werden, deren Samen nicht wieder keimen werden.
Ich nehme meist Samen aus eigenen Früchten, oder Saatgut aus den Früchten von Freunden. Wichtig bei der Gewinnung der Samen ist, diese vorsichtig aus dem Fruchtfleisch herauszulösen, zu säubern und richtig trocknen zu lassen!
Am idealsten ist eine Papiertüte, da hier auch noch Restfeuchtigkeit verdunsten kann. Vorsicht bei luftdicht verschlossenen Gefäßen – hier besteht Schimmelgefahr, wenn die Samen noch nicht zu 100% getrocknet sind.
Gesammelte Samen beschriften, mit Sortennamen, das Jahr und woher (Balkon, Garten, Supermarkt)

2. ZEITPUNKT

Wann gehts los? Das hängt vom Saatgut ab, bzw. der Gemüse- & Obstsorte. Meine Anzuchtsaison startet mitte Februar mit Chili & Paprika auf der Fensterbank. Genaue Pläne, wann was angesetzt werden kann, gibt es in meinem Aussaatkalender. (als PDF zum Downloaden & Ausdrucken)

Viele Samen kann man auf der Fensterbank vorziehen, einige auch gleich direkt draußen, wenn es die Temperaturen zulassen.

3. anzuchttopf

Bei Anzuchttöpfen gibt es verschiedene Möglichkeiten. Von Plastiktöpfchen, über Klopapierrollen bis hin zu selbstgefalteten Anzuchttöpfen aus Altpaier, die man mit Anzuchterde befüllt. Auch aufquellende Tabs aus Kokoserde sind sehr beliebt.

Ich hab so ziemlich alles ausprobiert und verwende zur Ansaat Plastiktöpfchen, denn die sind jedes Jahr wiederverwendbar. Die Samen brauchen es am Anfang sehr feucht um zu keimen und in einem Plastiktopf bleibt die Erde länger feucht als in einem Kartonbehälter.
Wenn die Samen dann zu einem kleinen Pflänzchen herangewachsen sind und es nicht mehr ganz so feucht brauchen, werden sie umgesetzt und kommen in einen von mir selbstgefalteten Papierbehälter.

Tipp: Je nach Größe des Topfes und Saatgut gebe ich verteilt 2-4 Samen hinein. Diese haben dann noch ein wenig Platz um ein bisschen größer & stärker zu werden, bevor jede Pflanze einen eigenen Topf bekommt.
Umgesetzt wird dann, wenn es in der Anzuchtstation eng wird oder die Setzlinge an der Abdeckungshaube anstoßen.

4. ERDE

Wichtig ist, dass die Samen bakterienfrei keimen können & kleine Pflänzchen schnell Wurzelwerk bilden.
Deshalb nimmt man für die Anzucht eine nährstoffarme Erde. Weil die jungen Pflänzchen trotzdem nach Nährstoffen suchen werden, breitet sich so schneller ihr Wurzelwerk aus!
Gekennzeichnete Anzuchterde ist genau darauf abgestimmt. Ebenso ist die lockere Textur dieser speziellen Erde dazu gedacht, dass die Samenkeimlinge leichter ans Tageslicht durchkommen. Die feinen Wurzeln bekommen mehr Sauerstoff und können sich gut ausweiten.

Wie tief? Als FAUSTREGEL gilt: Wie tief man einen Samen in die Erde stecken soll, kann man am Samen selbst erkennen. So dick wie er ist, genauso dick darf er maximal mit Erde bedeckt werden.
Eine dicke Bohne wird tiefer gesetzt als ein kleiner Tomatensamen. Basilikumsamen sind zum Beispiel so mini, dass man sie sowieso nur oben drauf streut (sind sogenannten Lichtkeimer)

TIPP: damit die Erde auch wirklich frei von Bakterien und möglichen Schädlingen ist (z.B. Trauermückenlarven) sterilisiere ich die Erde im Backrohr. Auf einem Backblech, bei 150 Grad für 40 Minuten „backen“. Bevor sie für die Aussaat weiterverwendet wird unbedingt auskühlen lassen.

Beim ersten Umtopfen der kleinen Setzlinge könnt ihr gerne schon zu normaler Gemüseerde greifen.

5. wässern

Gegossen wird mit ganz normalen Wasser – lauwarm am besten. Gerade am Anfang muss man mehr Wässern, damit es das Saatgut schön feucht hat und Aufkeimen kann. Die Wassermenge hängt wiederum vom Anzuchttopf ab. Wie schon oben erwähnt, bleibt in einem Plastiktop die Erde länger feucht. Bei einem Topf aus Kokosmaterial, Papier oder Karton saugt sich der Topf selbst auch mit Wasser an und wird sich mit der Zeit auch die Feuchtigkeit aus der Erde holen. Das ist jetzt nicht so tragisch, wie es sich anhört, da man ja täglich nach seinen Sprösslingen schaut und gegebenfalls gleich nachgießen kann.

Zum Gießen ansich nehme ich gerne eine Sprühflasche mit ganz feinem Sprühnebel damit die Samen, die nicht so tief gesetzt sind nicht davongeschwemmt werden.

Tipp: Feuchte Erde ist leider auch der ideale Platz für Trauermücken und deren Larven. Gelbsticker an denen diese kleben bleiben sind vorbeugend eine super Idee!
Oder in manchen Fällen macht es auch Sinn alles nur von unten zu Gießen, sodass sich die Erde von unten her mit Wasser ansaugen kann. Dadurch bleibt die Erdoberfläche ein bisschen trockener und die Trauermückenlarve ist weniger versucht ihre Eier dorthin abzulegen.

6. LICHT

Licht ist die Hauptnahrung von Pflanzen. Deshalb ist es auch so wichtig, darauf zu achten, wie tief man jeden Samen setzt, damit er noch genügend Licht zum Keimen bekommt. Da die Tage und somit die Lichtdauer in den Wintermonaten sowieso viel kürzer ist und die Sonne noch nicht ihre volle Stärke hat, ist es wichtig die Anzuchttöpfe so nah wie möglich an ein helles Fenster zu stellen, damit sie jeden Lichtstrahl aufnehmen können.

Man kann natürlich mit Tageslichtlampen nachhelfen, oder sogar ein Anzucht-Gewächshaus mit integriertem Tageslicht anschaffen.

7. Wärme

Das Vorziehen von Saatgut findet nicht umsonst in vielen Fällen auf der Fensterbank statt. Dort gibt es neben genügend Licht auch noch einen Heizkörper, der für die benötigte Wärme sorgt.

In den meisten Fällen reicht das Tageslicht und die Wärme der wenigen Sonnenstrahlen aus.
Paprika & Chili stelle ich lieber gerne in Richtung Heizkörper, da diese Samen mehr Wärme brauchen.

Saatgut bei Heizkörpern unbedingt öfters kontrollieren. Die Erde kann durch die Wärme schneller austrocknen. Ich decke diese gerne zusätzlich mit einer durchsichtigen Abdeckung ab – hält nicht nur die Feuchtigkeit sondern auch die Wärme! (Lüften nicht vergessen)

8. UMSETZEN

Wenn die Samen keimen und die ersten zwei kleinen Blätter zu sehen sind, muss man selbst abschätzen wann es den Kleinen zu eng wird. Da ich im Anzuchttopf selbst nur 2-4 Samen anpflanze, haben die kleinen Pflänzchen noch ein wenig länger Zeit, sich zu entfalten, bis es zu eng wird und sie umgetopft werden müssen.
Ich nehme in diesem Fall meine selbstgefalteten Töpfe aus Altpapier – da bekommt das wachsende Wurzelwerk mehr Sauerstoff.
Beim Umsetzen wirklich sehr behutsam mit den Pflänzchen umgehen. Die kleinen, frischen Wurzeln sind schnell abgerissen.
TIPP: sollten sich die Wurzeln zweier Pflänzchen miteinander verwachsen haben, in lauwarmes Wasser einweichen – dadurch löst sich die Erde und man kann die Wurzeln besser entwirren.

Die Erde darf in den neuen Töpfen schon mehr Nährstoffe haben (normale Gemüseerde) denn jetzt gehts los und die kleinen Setzlinge werden von Tag zu Tag mehr in die Höhe schießen.

9. abhärten

Die kleinen Pflänzchen stehen Tag für Tag auf der Fensterbank, ohne gröbere Vorkommnisse oder Gefahren. Step by Step Abhärten ist ein wichtiger Punkt, damit sie nicht plötzlich von einem auf den anderen Tag mit Wind, Wetter und starker Sonne zurecht kommen müssen.

An warmen Tagen kann man die kleinen vorgezognen Pflänzchen auf den Balkon, die Terasse oder in den Garten stellen. Aufpassen dass sie Anfangs noch keine pralle Sonne abbekommen – das würde ihre feinen Blätter verbrennen. Ein schattiger Platz ist ideal. Mit der Zeit können sie nach ein paar Tagen schattigen Ausgang natürlich auch den ein oder anderen Sonnenstrahl abbekommen.
Wind spielt ebenfalls eine große Rolle! Zuhause stehen die Pflanzen windgeschützt am Fensterbrett und machen natürlich keine Anstalten, sich gegen den Wind zu wappnen und stärker zu werden. Deshalb auch darauf achten, dass am Anfang draußen kein allzu großer Sturm ist. Auch da müssen sich die Pflanzen erst Stück für Stück daran gewöhnen. Gebt ihnen Zeit – sie werden von Tag zu Tag stabiler.

Ultimativer Wind-Tipp: Zu Hause hin und wieder einen Ventilator zum Fensterbrett stellen um den kleinen ein wenig Schwung ins Leben zu geben. Sie wachsen viel fester und stabiler, weil sie ja nicht einknicken wollen!

10. kontrolle

Last but not least, die tägliche Kontrolle. Nicht nur um zu sehen ob sich schon die ein oder andere Blattlaus auf den Kleinen breit gemacht hat, die feuchte Erde voll mit gefräßigen Trauermückenlarven ist oder einfach nur der Schimmel wächst und wächst.

TRAUERMÜCKENLARVEN: Sind so kleine durchsichtige Würmer in der feuchten Erde. Sehen ein bisschen nach kleinen kurzen Glasnudeln aus. Die Trauermückenfliegen legen ihre Eier am liebsten in feuchter Erde ab und schwirren auch oft in diesen feuchten Gebieten umher.
Die geschlüpften Larven in der Erde fressen dann die gerade aufgekeimten Pflänzchen ab und ernähren sich von den frischen Wurzeln. Oben sieht man nur noch den Rest des noch grünen Setzlings der immer mehr den Kopf hängen lässt. Die Pflanze ist so gut wie tot.
Vorbeugend kann man die Anzuchterde im Backrohr sterilisieren. Im Gartenfachmarkt gibt es die sogenanten klebenden Gelbsticker, an denen die kleinen Fliegen kleben bleiben. Trotzdem bleibt es eine Herausforderung den Fliegen Herr zu werden, da die Erde ja zum Keimen recht feucht gehalten werden muss.

Trauermücken-TIPP: Versucht doch mal eure Anzuchttöpfe von unten zu gießen. Sodass sich die Erde mit dem Wasser von unten her ansaugt. So bleibt die Erdeoberfläche ein wenig trockener und ist dann so weniger attraktiv für die Eiablage.

BLATTLÄUSE: Gerade auf die neuen, frischen und zarten Blätter stürzen sich Läuse am Liebsten. Die Pflanze ist noch jung, recht schwach im Vergleich zu den ausgewachsenen Pflanzen und schneller zu Fall zu bringen. Kurz: ein Leckerbissen für Blattläuse und sonstige Schädlinge.
Hier solltet ihr wirklich täglich alle Blätter und Blattachseln absuchen und absammeln.

Blattlaus-TIPP: Die jungen Pflanzen leicht mit kaltem & lang gezogenem Brennnesseltee besprühen. Ausgewachsene Pflanzen mit Brennnesseljauche gießen. Die Pflanze saugt es in sich auf und schmeckt den Blattläusen dann nicht mehr!

Ich habe Vieles gegen Blattläuse ausprobiert – die Jauche funktioniert immer! Und am Besten schon anfangen, BEVOR eine Laus den Weg auf die Pflanze gefunden hat!!

Gerade im frühen Stadium des Wachstums ist eine Schwächung durch solche Feinde fatal – in den meisten Fällen überleben die kleinen Pflänzchen das nicht, oder werden in späterer Folge nicht so groß und das kann den Ertrag der Ernte ernorm beeinflussen.
Es zahlt sich also wirklich aus, von Anfang an ein Auge drauf zu haben.

SCHIMMEL: Kommt bei mir am meisten in Kartonanzuchttöpfen vor oder wenn ich Holzstäbchen als Namesschilder verwende. Die Erde muss am Anfang feucht gehalten werden. Trotzdem ist es sehr wichtig die Haube über dem Anzuchttopf regelmäßig zu lüften. Passiert bei mir schon fast wie von selbst, weil ich immer so neugierig bin und ständig drunter schaue, ob sich denn schon was tut 🙂

Habt ihr noch weitere Fragen zur Anzucht?