URBAN GARDENING

Mein Tomatenpflanzen Guide

Tipps & Tricks aus eigener Erfahrung

Von Jahr zu Jahr habe ich das Gefühl, dass immer mehr Menschen eigenes Obst & Gemüse ernten wollen. Egal ob im Garten, am Balkon oder nur auf einem Fensterbrett – ich bin der Meinung, man kann alles und überall anpflanzen. Man muss nur kreativ und einfallsreich sein 🙂

Neben den eigenen Küchenkräutern gehört die Tomate zu den Pflanzen die am liebsten von Gartenneulingen angepflanzt wird. Aus diesem Grund habe ich mir gedacht, ich starte eine Fragerunde auf Instagram um zu sehen was ihr noch alles wissen wollt. 

Hier in diesem Beitrag habe ich alle Punkte die so ein Tomatenleben beinhaltet aufgelistet. Dabei all eure Fragen miteinbezogen und natürlich vieles aus meiner Erfahrung geschildert!

der perfekte standort

Meine Tomaten stehen bei mir am Balkon in der prallen Sonne und es geht ihnen dabei gut. Im Sommer kann es hier wirklich bis zu 50 Grad bekommen.
Tomaten lieben einen sonnigen Standort und die Wärme! Sollte es unter 10 Grad bekommen, kann man sie abdecken. Wenn man die Möglichkeit hat, kann man sie nahe zu einer Hauswand stellen, welche auch in der Nacht noch Wärme abstrahlt.

wasser

Wieviel Wasser eine Tomatenpflanze benötigt hängt davon ab ob ihr sie in einem Gefäß habt oder sie im Garten wächst.
Meine Tomatenpflanzen in den Mini-Trögen muss ich an wirklich heißen Sommertagen fast täglich gießen. Zumindest jeden zweiten Tag. (Eine Mulchschicht verhindert das Austrocknen, dazu später mehr)
Tomaten in der Erde im Garten brauchen weniger Wasser – sie können durchaus sehr tief bis zum Grundwasser hinunterwachsen.

TROCKENHEITSSTRESS FÜR AROMA:

Prinzipiell mag die Tomate keine Trockenheit. Hat sie aber schon Früchte kann ein kurzer Trockenheitsstress das Aroma verstärken. Aber nicht übertreiben, bitte trotzdem immer nachgießen und nicht die hängenden Blätter zu lange leiden lassen.

Wichtig beim Gießen: immer von unten!! Nie auf die Blätter spritzen (Braunfäule)

Wenn es regnet müsst ihr nicht in Panik verfallen. Die Pflanze ist deshalb nicht gleich hinüber nur weil sie nass wird. Regenwasser ist immer noch was anderes als Wasser aus dem Wasserhahn. Ihr könnt vorher auf jedenfall die Pflanze ein wenig Auslichten. Hat es die Pflanze zwischen den Trieben luftiger, trocknet alles schneller auf.

erde

Tomaten sind Starkzehrer und haben einen hohen Nährstoffbedarf.
Es muss trotzdem nicht immer die spezielle Tomatenerde sein.
Im ersten Jahr habe ich meine Tröge mit normaler Erde gefüllt und die Jahre drauf die alte Erde einfach mit 1/3 Kompost gemischt und aufgewertet.
Zusätzlich Dünge ich die Tomaten einmal die Woche mit Kompost den ich in die Erde einarbeite, Brennnesseljauche, Wurmtee, Wurmkompost oder Hornspäne.
Tomaten sind auch für gut durchlüftete Erdböden dankbar. Nach langen Regentagen die Erdoberfläche ein wenig aufharken für mehr Luft.

Anzucht

Die Tomatensamen und Setzlinge brauchen viel Licht und sollten daher auf einem hellen Fensterbrett stehen.
Als Faustregel gilt, den Samen mit so viel Erde bedecken, so breit/dick der Samen selbst auch ist.
Erde immer schön feucht halten, gegebenfalls eine Haube drüber (Lüften nicht vergessen!)

UMTOPFEN

Sind die ersten zwei oder vier Blätter da, kann man die Pflanzen in einzelne Töpfchen umsetzen.
Tomatenpflanzen immer tiefer setzen. Sie bilden am Stamm neue Wurzeln, die die Pflanze stärken.

SETZLINGE ABHÄRTEN:

Die Pflänzchen Stück für Stück an die Welt da draußen zu gewöhnen ist ein wichtiger Schritt. Am Fensterbrett gibt es keinen Wind und keine ganz so starke direkte Sonne. Damit der Schock beim Auspflanzen nicht so groß ist, härtet man sie ab.
Nach dem Umtopfen und sobald es draußen etwas wärmer ist (15 grad oder mehr) wird mit dem Abhärten begonnen.

Anfangs nur in den Schatten stellen. Dann ein paar Stunden Abendsonne gönnen. Und so die Pflänzchen immer mehr an die Sonne zu gewöhnen – sonst würden sie Sonnenbrand-Schäden an den Blättern bekommen.
Auch der Wind spielt eine wichtige Rolle. Anfangs kann man sie zu Hause mit einem Ventilator an Luftbewegung gewöhnen oder sie im Freien am Boden stellen, wo der Wind noch nicht so stark ist. Die Pflänzchen entwickeln mit der Zeit einen richtig starken Stamm und sind deutlich stabilder im Stand.

ins freie Setzen

Wann der richtige Zeitpunkt ist die Setzlinge ins Freie zu setzen ist keine Frage der Setzlings-Größe sonder der Temperaturen draußen. Es sollte auf keinen Fall mehr in der Nacht frostig sein. Für gewöhnlich wartet man die „Eisheiligen“ mitte Mai ab. Hier kann es ein paar Tage lang noch kurz frösteln. Danach kann man die Tomatenpflanzen raussetzen – auch hier immer eine Spur tiefer in die Erde setzen! Ggf. ein oder zwei Äste wegbrechen.

gute & Schlechte Partner

Jede Pflanze hat gute und schlechte Nachbarn.
Schlechte Nachbarn können das Wachstum hemmen, nehmen zu viele Nährstoffe an sich – sie können sich kurz gesagt einfach nicht riechen!
Gute Nachbarn helfen sich gegenseitig. Sie verteiben sich zum Beispiel gegenseitig die Schädlinge, ergänzen sich was den Nährstoffbedarf angeht oder helfen einander beim Wachsen.

gute partner
  • Basilikum, passt nicht nur am Teller gut zur Tomate

  • Kapuzinerkresse gut gegen Läuse und schattet den Boden ab (Boden trocknet weniger schnell aus)

  • Korriander, Petersilie

  • Salate, Spinat

  • Zwiebel

  • Radieschen, Karotten, Rote Rüben

schlechte partner
  • Kartoffel!! Niemals in die Nähe pflanzen oder stellen.

  • Gurke, Zucchini, Aubergine,

düngen

SETZLINGE DÜNGEN

Die Samen werden in nährstoffarmer Erde herangezogen. Sobald sie kleine Blättchen haben und zum ersten Mal umgetopft wurden bekommen sie von mir wöchentlich eine kleine Stärkung in Form von Komposttee oder Brennnesseltee.
Komposttee: 2-3 EL Kompost in einen Liter Gießwasser mischen.
Brennnesseltee: 1 EL getrocknete Brennnessel aus der Apotheke mit 1 Liter Kochwasser aufgießen und ziehen lassen. Vor dem Gießen bitte abkühlen lassen!! Ihr könnt die Brennnessel gern auch selber Pflücken gehen.
Brennnesseltee ist auch eine der ersten vorbeugenden Maßnahmen gegen Lausbefall.

Große Pflanzen düngen

Düngen wird zwar alle 14 Tage empfohlen. Ich dünge lieber regelmäßiger, einmal die Woche, dafür weniger bzw. verdünnter.
Gratis Kompost vom Mistplatz oder Wurmkompost in die Erde einarbeiten, mit Brennnesseljauche gießen, der ein oder andere Kaffeesatz wird bei mir verstreut und auch kleingehackte Bananenschale kann man der Tomatenpflanze unter die Erde mischen.

mulchen

Beete zu Mulchen ist für mich ein Muss!
Je nach Mulchschicht, hilft es der Erdoberfläche nach Regen nicht so schnell zu verschlammen. Die Erde trocknet nicht so schnell aus, da sie vor der Sonne geschützt ist. Manche Mulchschicht düngt zugleich oder vertreibt Schädlinge und verhindert Unkrautwachstum.

Letztes Jahr habe ich mit Kräutern und Stroh gemulcht. Heuer versuche ich es ausschließlich mit Kräutern und essbare Blüten.
Basilikum passt laut „Partnerprofil“ sehr gut, genauso wie Koriander und Kapuzinerkresse, die dann auch noch Blattläuse vertreiben.

stäbe & Stütze

Sobald die Setzlinge raus kommen, ihnen der Wind um die Ohren bläst oder sie schon drinnen ziemlich groß werden muss man hochwachsende Sorten stützen.
In den meisten Fällen reicht ein Stab vollkommen aus, an dem man die Pflanze von Zeit zu Zeit anbindet.
In meinem Fall – sehr windiger Balkon – nehme ich lieber stabilere Gegenstände die der Wind nicht so leicht umkippen kann.  Ein fixiertes Rankgitter oder dieses Rundgitter wie oben beim Mulch-Foto.
An Seilen zu fixieren wäre auch eine Möglichkeit, wenn man diese denn wo ander Decke montieren kann.

Bei Buschtomaten ist übrigens keine Stütze nötig. Sie sind kleinwüchsig und brauchen nicht angebunden zu werden.

Probleme & Schädlinge

Es gibt unendlich viele Schädlinge, Probleme, Pilze, Blattkrankheiten.. alle kenne ich nicht und hatte sie zum Glück auch noch nicht. Trotzdem erwartet mich jedes Jahr irgendwie immer wieder eine neue Herausforderung.
Ich liste euch hier alle Problem- & Schadbilder auf, die mir schon so im Laufe des Tomatenanbaus untergekommen sind und was die Ursache, bzw. Lösung dafür ist!

  • BLÄTTER ROLLEN SICH EIN: entweder mit zu kaltem Wasser gegossen oder Stickstoffüberschuss in der Erde.

  • BRAUNE BLÄTTER/BRAUNFÄULE: Laub beim Gießen nass geworden oder konnte nach zu vielen Regentagen nicht gut trocknen.

  • ROTE BLÄTTER: da waren der Tomate die Temperaturen zwischendurch zu niedrig

  • ZU FRÜHER BLÜTENABFALL: Überdüngt

  • FRUCHT PLATZT: zu viel gegossen. Die Pflanze nimmt mehr Wasser über die wurzeln auf, als sie für ihre Früchte braucht.

  • BLATTLÄUSE: Vorbeugend: tägliche Kontrolle der Setzlinge und Brennnesseltee. Bei Befall Absammeln, Abspritzen und mit Brennnesseljauche düngen.

  • STINKWANZEN: Absammeln. Siehe Foto: Die Larven der Stinkwanzen sehen ganz anders aus als die ausgewachsenen Wanzen. Sie sind auf den ersten Blick auch mit den Marienkäfern und deren Larven zu verwechseln. Blattunterseiten nach Eiern absuchen und entfernen.

  • MILBEN: kommen bei großer Hitze & Trockenheitsperioden. Augen in der Zeit offen halten, befallenes Laub entfernen.

sonstige Pflegetipps

Entblättern

Die unteren Äste entfernen um ein bisschen mehr Luft zum Boden zu haben. Sowie auch den anderen Ast inmitten der Pflanze entfernen, für mehr Luftzirkulation – beugt Pilze & Schädlinge vor.

Ausgeizen

Da ist ja jeder anderer Meinung. Es geht um das Entfernen von neuen Trieben in den Ast-Achseln. Es soll ja zu mehr Fruchtertrag führen. Ich bin immer noch unschlüssig.
Ich habe schon beides ausprobiert – kann aber nicht wirklich sagen ob es einen Unterschied macht.

Heuer werde ich den direkten Vergleich haben: Werde bei zwei gleichen Sorten bei der einen Ausgeizen und bei der anderen nicht. Ich bin gespannt!

Wichtig: Buschtomaten sollten niemals ausgegeizt werden.

Bodenauflockerung

Wenn ihr keine Mulchschicht habt, solltet ihr nach längerem Regen die Erdoberfläche ein wenig auflockern. Durch langen oder starken Regen verschlammt der Boden und durch das Auflockern kommt wieder besser Luft in die Erde.

Blüten abschneiden

Wenn die Tomatenpflanze im Spätsommer oben noch Blütenansätze produziert, sollte man diese wegschneiden. Es würde sich zeitlich nicht mehr ausgehen, dass daraus Früchte werden. Es wäre schade um die wertvolle Energie, welche die Pflanze dafür aufbringt. Die Energie wird für die Früchte die sie schon hat gebraucht.

Nachreifen

Wenn Früchte noch nicht ganz fertig gereift sind, kannst du diese trotzdem Ernten und in der Wohnung offen auf der Küchenablage nachreifen lassen.